Zukunft der Arbeit

Zeitwohlstand für alle?!

Unsere Arbeitswelt erlebt gerade die vierte Revolution: Angefangen hat es vor 200 Jahren mit der Erfindung der Dampfmaschine, die fortan dem Menschen die schwere körperliche Arbeit abnahm. Hundert Jahre später ermöglichte die Elektrizität den Übergang von der Einzel- zur Massenfertigung. 1941 entwickelte der deutsche Unternehmer Konrad Zuse den ersten funktionsfähigen, vollautomatischen Computer und machte damit den Weg für die Automatisierung von Arbeitsprozessen frei.

Um die Jahrtausendwende begann schließlich das digitale Zeitalter. Maschinen kommunizieren untereinander, der Datenaustausch steuert komplexe Abläufe.
Wird der Mensch bald überflüssig? Ist die gute alte Zeit für immer vorbei? Nein! Die digitale Revolution ist keine Bedrohung, sondern eine Chance für mehr
Lebensqualität, mehr Flexibilität und mehr Selbstbestimmung.

„Zukunft ist dort, wo Tradition und Fortschritt zusammentreffen.“

Meine Ansichten zu Arbeit 4.0

"Wir müssen weg von starren Arbeitszeiten"

"Bedrohung oder Chance?
- Wir erleben gerade die vierte Revolution der Arbeitswelt"

"Arbeit 4.0 - Mehr Zeitwohlstand für alle?!

"Zeit lässt sich nicht zurückdrehen"

Velener Schlossgespräche am 25. April 2016 zu "Arbeitswelt 4.0: Zeitwohlstand für alle?!"

Arbeitszeitmodelle

In der Familienphase bietet das Konzept der Gleitzeit eine gute Möglichkeit, Kindergarten- und Schulzeiten in den Arbeitsalltag zu integrieren. Die wöchentliche Arbeitszeit kann in einem festgelegten Zeitkorridor erledigt werden, Beschäftigte können innerhalb dieser Zeit flexibel entscheiden, wann sie kommen und gehen. Gewisse Kernzeiten sind aber vorgeschrieben.

Die Funktionszeit ist die wesentlich freiere Variante der Gleitarbeitszeit, denn sie verzichtet auch auf die Kernarbeitszeiten. Stattdessen gibt es betrieblich vereinbarte Zeiten, zu denen die einzelnen Betriebsbereiche „funktionsfähig“ sein müssen. Diese Vorgabe ist die einzige Voraussetzung für die Regelung der Arbeitszeit. Alles andere wie z. B. Anwesenheitszeiten oder Urlaub regelt das Team oder die Arbeitsgruppe vollkommen autonom. Das setzt allerdings bei den Mitarbeitern eines Teams eine hohe soziale Kompetenz voraus.

Vorteile: Bei diesem Arbeitszeitmodell steht das Arbeitsergebnis im Vordergrund und nicht die geleistete Arbeitszeit. Das kommt gerade hoch qualifizierten Menschen entgegen, die über die alltäglichen Routinearbeiten hinaus auch kreative Arbeit erledigen müssen (z. B. Entwicklungsingenieure, Industrie-Designer etc.).

Nachteile: Der wohl größte Nachteil des Funktionsarbeitszeitmodells ist der, dass Ihre Mitarbeiter nicht immer greifbar sind. Dieses Arbeitszeitmodell ist daher nur dann empfehlenswert, wenn der Arbeitgeber kreativen Köpfen größtmögliches Entwicklungspotenzial bieten möchte und dabei auf konkrete Arbeitszeitvorgaben verzichten kann.

Bei diesem Arbeitszeitmodell bieten Arbeitgeber den Beschäftigten verschiedene Arbeitsblöcke mit festen Anfangs- und Endzeiten an. Diese Blöcke decken den gesamten täglichen Betriebszeitbedarf ab. Die Beschäftigten können sich für das Zeitfenster entscheiden, in dem sie die nächsten Wochen oder Monate arbeiten möchten.

Ein Beispiel: Die Sommer- und Winterarbeitszeit

Damit sind Arbeitszeiten gemeint, die sich dem Rhythmus der Natur und des Menschen anpassen. Zum Beispiel können Mitarbeiter auf Wunsch im Sommer früher starten und im Winter etwas später anfangen. Das kommt vielen Menschen sehr entgegen. Im Sommer, wenn es morgens hell ist, sind wir früher wach und fit. Außerdem freuen wir uns, wenn wir den Nachmittag noch für private Vorhaben nutzen können. Im Winter, wenn es ohnehin um 17 Uhr dunkel ist, bleiben wir auch gerne mal länger am Schreibtisch und genießen es im Gegenzug, dass wir uns morgens im Bett noch einmal umdrehen und langsamer in den Tag starten können.

Eine andere Variante ist es, dass in den Sommermonaten jeder Mitarbeiter in Absprache mit der Unternehmensleitung und den Teamkollegen monatlich einmal freitags oder montags sein Wochenende verlängern kann und zum Ausgleich die fehlenden 8 Stunden verteilt auf die anderen Arbeitstage nachholt.

Teilzeit classic: Die tägliche Arbeitszeit oder die Arbeitstage pro Woche sind reduziert (30 Stunden-Woche; Halbtagsstelle).

Teilzeit vario: Die wöchentliche Arbeitszeit wird auf 2 bis 5 Tage verteilt. Dabei kann auch die tägliche, wöchentliche oder monatliche Stundenanzahl variieren.

Diese Form wird mitunter auch zeitlich befristet gewählt, beispielsweise von Männern, die Zeit für die Planung eines Hausbaus haben und auf dem Bau selber Hand anlegen möchten.

Die 4-Tage-Woche ist allerdings für viele Arbeitnehmer die erste Wahl, wenn es um die Individualisierung der Arbeitszeit geht. Immer häufiger ist zu hören, dass Erwerbstätige sich neben ihrem Regelarbeitsverhältnis in einem kreativen Zweitjob verwirklichen möchten. So hat eine Mitarbeiterin einer Behörde ihre Stelle reduziert, um freitags auf einem Wochenmarkt kreative Näharbeiten aus eigner Werkstatt zu verkaufen. Sie sagt: „Seit ich diesen Ausgleich habe, bin ich auch in meinem ersten Arbeitsverhältnis viel zufriedener.“

Weniger arbeiten, um sich selbst zu verwirklichen – diesen unübersehbaren Trend nennen die Experten „Downshifting“. Ein deutsches Wort gibt es dafür noch nicht.

Team-Teilzeit: Der Arbeitgeber gibt nur vor, wie viele Arbeitnehmer in einem bestimmten Zeitabschnitt anwesend sein müssen. Den Rest regelt das Team selbständig. Das ist sicherlich zunächst eine große Herausforderung. Viele Arbeitgeber halten sie aber für durchaus lohnenswert. Eigenverantwortung ist eine gute Tugend, die uns im Arbeitsleben vielleicht hier und dort durch die deutsche Regelungswut abhanden gekommen ist.

Teilzeit Saison: Das kennen wir zum Beispiel schon lange aus dem Bauhandwerk. Im Sommer arbeiten die Beschäftigten Vollzeit, im Winter Teilzeit bis hin zu einer Reduzierung auf null Arbeitsstunden. Man könnte meinen, dass davon betroffene Arbeitnehmer mit dieser Regelung nicht einverstanden sind. Es kann aber durchaus auch für Arbeitnehmer vorteilhaft sein, wenn ein Angestellter beispielsweise im Dezember, einem Null-Stunden-Monat, einen 450-Euro-Job annimmt. So kann er in einem neuen Bereich Erfahrungen sammeln, um diese effektiv im eigenen Betrieb einzubringen.

Welcher Arbeitgeber wünscht sich nicht Mitarbeiter, die Ideen mitbringen, die Vorschläge machen, die wach sind und offen für Veränderung? Mitarbeiter, die über den Tellerrand hinaus schauen und die sich etwas zutrauen.

Bei der Vertrauensarbeitszeit ist der Arbeitnehmer selbst für die Gestaltung und Erfassung der Arbeitszeit verantwortlich.

Es kommt dabei nicht darauf an, wann gearbeitet wird, sondern in welchem Zeitraum eine Aufgabe erledigt sein soll. Insoweit wird der Tatsache „vertraut“, dass die Arbeitsleistung – auch ohne Nachhalten der Arbeitszeiten mit einer Stechuhr – wirklich erbracht wird oder wurde.

Bei der Vertrauenskultur, die der Vertrauensarbeitszeit zugrunde liegt, ist das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Mitarbeiter wichtig und so auch das Vertrauen der Mitarbeiter in die Führungsfähigkeiten des Vorgesetzten.

Ein Apothekerehepaar, das nach reiflicher Überlegung voll auf dieses Modell setzt, zieht folgendes Resümee: „Diese selbstbestimmte Einteilung der Arbeitszeit hat für einen großen Motivationsschub im Team gesorgt. Die Mitarbeiterinnen haben eine hohe Identifikation mit dem Unternehmen und wollen den gemeinsamen Erfolg. Mit der neuen Vertrauensarbeitszeit können wir produktiver arbeiten und unser Angebot bei gleich bleibender Personalstärke sogar noch ausweiten.“

Die Vertrauensarbeitszeit verbreitet sich derzeit rasant –  insbesondere allerdings im wachsenden Dienstleistungssektor, speziell in Branchen wie Softwareentwicklung, Multimedia und Werbung.

Die Beschäftigten arbeiten in Teilzeit oder Vollzeit teils im Betrieb, teils von zu Hause aus. Das ist zum Beispiel für Wochenendpendler interessant, die ihren Arbeitsplatz weit weg vom Partner bzw. der Familie haben. Experten schätzen, dass in Deutschland 12 Prozent der Arbeitnehmer in einer Fernbeziehung leben. Unter Akademikern ist der Anteil besonders hoch.

Ein Betroffener sagt: „Von Montagfrüh bis Donnerstagabend in einer anderen Stadt zu leben ist bei weitem nicht so entbehrungsreich wie von Montag bis einschließlich Freitag. Der Wochenendstress wird dadurch deutlich gemildert. Früher haben wir krampfhaft versucht, den Samstag und den Sonntag  möglichst sinnvoll und effektiv zu planen, um die knappe Zeit für das Privatleben optimal zu nutzen. Bloß keine Zeit verschwenden! Immer den Blick auf die Uhr richten. Das war Stress pur. Seit ich schon am Donnerstagabend heim komme und  freitags zu Hause arbeite, ist das Wochenende viel entspannter.“

Allerdings: Wer von zu Hause aus arbeitet, muss sich selbst managen können, Verantwortung übernehmen und den Arbeitsrhythmus selbst definieren. Homeoffice – das ist etwas für disziplinierte Mitarbeiter und Chefs, die loslassen können.

Nicht nur für Pendler ist der heimische Arbeitsplatz zuweilen von großem Vorteil. Wer konzentriert ein Konzept schreiben muss oder einen Budget aufstellen will, kann das zu Hause manchmal ungestört am besten tun. Angenehmer Nebeneffekt: Wer nicht durch den täglichen Berufsverkehr pendeln muss, spart Zeit und Geld. Heimarbeiter entlasten unsere überfüllten Straßen und die öffentlichen Verkehrsmittel, ein zusätzlicher Pluspunkt, der auf jeden Fall einer gesonderten Erwähnung bedarf.

Zwei Fachkräfte teilen sich eine Vollzeitstelle. Wie sie untereinander die Anteile regeln, bleibt ihnen und dem Team häufig weitgehend selbst überlassen. Viele Arbeitgeber zögern bei dieser Regelung, weil sie den zusätzlichen bürokratischen Mehraufwand fürchten. Es gibt allerdings auch bedeutende Vorteile.

So können mitunter Vollzeitstellen trotz der Fachkräfteengpässe besetzt werden. Fachkräfte, die beispielsweise wegen kleiner Kinder ihre Arbeitszeit reduzieren wollen, können weiterhin Verantwortung übernehmen, an größeren Projekten mitarbeiten und auf dem aktuellen Stand bleiben. Und: Durch Jobsharing werden Teamarbeit, Flexibilität und Austausch der Mitarbeiter untereinander gefördert.

Das Sabbatical – auch bekannt als das Sabbatjahr; der Sabbat ist der biblische Ruhetag – eine komplette Auszeit vom Berufsleben. Diese Auszeit kann sich von zwei Monaten bis hin zu einem Jahr erstrecken und ganz unterschiedlich motiviert sein. Egal ob jemand die Zeit dazu nutzen möchte, sich fortzubilden, zu verreisen oder einfach mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen – in jedem Fall ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ein gestärkter, zufriedener, inspirierter und in jedem Fall dankbarer Mitarbeiter in die Firma zurückkehrt.

Dennoch genießt das Sabbatical nicht uneingeschränkt einen guten Ruf. Die Skepsis rührt vermutlich vor allem daher, dass eine längere Auszeit mit einigen Unsicherheiten verbunden ist – sowohl auf Arbeitnehmer- als auch auf Arbeitgeberseite. Der Arbeitnehmer fragt sich: Wie wird der Arbeitgeber auf meinen Wunsch reagieren? Wie sicher kann ich mir sein, dass ich nach meiner Auszeit wieder zurückkommen darf? Auf der anderen Seite: Wie verkraftet die Firma den Ausfall? Muss ich als Arbeitgeber die Zeit mit der aufwändigen Einarbeitung neuer Mitarbeiter überbrücken? Und nicht zuletzt: Hat dem Arbeitnehmer die lange Pause so gut gefallen, dass er zähneknirschend an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt, in Gedanken aber noch auf einer fernen Insel weilt?

Diese Zweifel sind sicherlich berechtigt. Auf der anderen Seite ist davon auszugehen, dass ein Sabbatjahr unser gesamtgesellschaftliches Problem der oftmals viel zu frühen Verrentung zumindest teilweise beheben könnte. Viele Arbeitnehmer brauchen einfach mal eine längere Pause. 40 und mehr Arbeitsjahre sind eine lange Zeit. Mancher Erwerbstätige ist einfach ausgepowert. Ein Tapetenwechsel und ein wenig Luftveränderung wären gut. Weil eine längere – also beispielsweise einjährige – Pause aber nach wie vor kaum gewährt wird oder aus betrieblicher Sicht nicht gewährt werden kann, drücken so viele Beschäftigte aufs Gas, wenn es um Altersteilzeit oder vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf geht.  Das ist angesichts der demographischen Entwicklung weder für einzelne Unternehmen noch für die Wirtschaft insgesamt gut.

Langzeitarbeitskonten gibt es schon seit gut 20 Jahren. Das Prinzip: Arbeitnehmer sparen über einen längeren Zeitraum Überstunden an, um sie gesammelt für eine Weltreise, eine Weiterbildung, den Bau des Eigenheims oder sogar für den früheren Renteneintritt zu nutzen.

Wer gerade aus der dualen Ausbildung oder von der Hochschule kommt und viel Elan mitbringt, arbeitet möglicherweise ohnehin 50 Stunden pro Woche. Diese Plusstunden können dem Mitarbeiter dann später zugutekommen, beispielsweise wenn er kleine Kinder hat: Dann ist eine Wochenarbeitszeit von 30 Stunden möglich, trotz Vollzeitvertrag und vollem Gehalt. In der Regel vereinbaren Arbeitgeber und Betriebsrat Limits: In einem konkreten Fall darf beispielsweise das Arbeitskonto pro Mitarbeiter nicht um mehr als 200 Stunden jährlich wachsen. Die absolute Obergrenze liegt bei 3000 Plusstunden. Umgerechnet kommt man damit auf eine mögliche Freistellung von 1,5 Jahren.

Auszeiten lassen sich so auch auf längere Sicht planen und flexibel gestalten. Langzeitarbeitskonten ermöglichen zudem die stärkere Orientierung an Lebensphasen. Ob es der Hausbau, die Familiengründung, die intensive Beschäftigung mit einem Hobby, die Weltreise  oder doch die Midlife Crisis ist, die den Fokus – manchmal auch spontan – für eine Weile vom Beruf auf private Angelegenheiten lenkt – mit einem Langzeitsparbuch lässt sich auf so manche Veränderung im Leben flexibel reagieren.

Kurzzeitarbeitszeitkonten setzen hingegen auf einen schnelleren Ausgleich von geleisteter Mehrarbeit:

Ein Arbeitszeitkonto sorgt dafür, dass in arbeitsreichen Zeiten die Verlängerung der Arbeitszeit möglich wird, übrigens einschließlich Samstagvormittag! Das wird mit den Beschäftigten vereinbart. Bei weniger Arbeit liegt die Verantwortlichkeit für einen früheren Feierabend  und für freie Tage bei den Mitarbeitern. Sie sprechen sich untereinander ab und können so Freizeit, Hobby, Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren.


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